Radtour „Unser Mühlenbach – der Rehbach zwischen Obermühle und Neumühle“

Die „Bürgerinitiative “Hochwasserschutz ja – Rehbachverlegung nein“ hatte unter dem Motto „Unser Mühlenbach – der Rehbach zwischen Obermühle und Neumühle“ zu einer Fahrradtour eingeladen, der rund 15 Teilnehmer gefolgt waren. Am Startpunkt erläuterte Franz-Josef Jochem zunächst die Überlegungen der Kreisverwaltung zum Hochwasserschutz im Westen von Haßloch, verbunden mit einer deutlichen Kritik: das gesamte Hochwasser soll durch das Industriegebiet fließen. Doch umgestürzte Bäume, Dachteile oder anderes könnten den Wasserabfluss empfindlich stören und das Industriegebiet geflutet werden.
Die Alternative der BI sieht dagegen vor, Hochwasser westlich der Obermühle zur K14 (Straße nach Lachen) und weiter in die Senke des Mittelwaldes nach Osten abzuleiten. Ältere Teilnehmer bestätigten, dass dieses Konzept beim Hochwasser 1978 tatsächlich Abhilfe über die „Mörderrichtstelle“ funktionierte: ein Durchbruch durch die K14 ließ das Wasser damals in den Wald abfließen.
Auf der Radbrücke am Hubertushof erfuhren die Teilnehmer von der Problematik der Wasserableitung in den Saugraben. Bereits derzeit führt er häufig zu wenig Wasser, so dass der Teich im Vogelpark immer wieder zu „kippen“ droht. Diese Gefahr dürfte sich verschärfen: der Saugraben soll unter dem neuen Lauf in Rohren durchgeführt werden – vergleichbar dem Syphon an Waschbecken, was schnell versanden wird!

Mit einem 40 m langen Bauwerk in der heutigen Feuchtwiese und mit einer Prallmauer – 4m hoch – soll der neue Bachlauf aus dem alten Rehbach in den Wald geleitet werden. Dort markierten Bänder an Bäumen die Breite des geplanten Bachlaufes – mind. 25 m. Die 1200 m² große Feuchtwiese soll komplett in den Wald verlegt werden – und sich dort nach dem naiven Glauben der Planer wieder entwickeln. Doch das ist schlicht Hoffen auf ein Wunder: Das neue Bachbett liegt bis 1,40 m unter dem Niveau der umliegenden Fläche, das Wasser müsste „bergauf“ fließen. Ein weiterer Schaden für die Umwelt entsteht: Für diesen Bachlauf sind 2000 bis 3000 Bäume zu fällen, mit einem immensen Verlust der CO₂-Speicherung bzw. Sauerstoffbildung.

Mit den aktivierten Gräben westlich der Obermühle und den Teils noch vorhandenen Umleitungen um Neu- und Sägmühle sei eine Fischdurchgängigkeit sehr kostengünstig herstellbar, so Barbara Schuster von der Bürgerinitiative. Auch mit Wasserkraftnutzung sei die Durchgängigkeit möglich. Nach Ansicht von Experten stünden zudem nicht nur die Mühlen unter Denkmalschutz, sondern auch das gesamte Bachensemble.

Besonders interessant war es für die Teilnehmer, die „Reste“ der früheren Schließanlagen von Rehbach und Saugraben im Bereich des Schäferhundevereins kennen zu lernen und die frühere Funktion zu erfahren. Ein Teilnehmer fragte nach der Gefahr für die Anwesen „Im Wachtelschlag“ und erinnerte an das Hochwasser im Frühjahr 2011. Jochem erläuterte, dass die Schließanlage im Rehbach höhengleich mit dem Bürgersteig im Wachtelschlag war und früher zur Wasserableitung nach Süden diente – viel effizienter als die 2011 eingesetzten THW-Pumpen, deren Gesamtleistung nur 1 bis 2 Prozent der ankommenden Wassermengen betrug.

Besonderen Schutz verdienen die Vereine in Rehbachnähe. Dem könnte man gerecht werden, wenn zum einen die Alternativen der BI zur Wasserableitung westlich des Industriegebiets umgesetzt werden und zum anderen die Erfahrungen unserer Ahnen berücksichtigt werden, denen wir die – leider nur noch rudimentär sichtbaren –
Gräben und Schließen zu verdanken haben. Sie haben sicherer funktioniert als es die auf Computermodellen und Annahmen beruhenden Planungen von Ingenieurbüros erwarten lassen.

Zum Abschluss der Radtour wurden im Naturfreundehaus bei Kaffee und Kuchen die Eindrücke vertieft: Empörend bleiben die vorgesehenen massiven Eingriffe in die Natur und unverantwortlich erscheint es, die Trinkwasserreserve im Mittelwald für eine völlig überflüssige Rehbachverlegung aufzugeben.

Günter Moses

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